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Schmalkalden, Schloss Wilhelmsburg und der Schmalkaldische Bund

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Schmalkalden - Altmarkt
Unterzeichnung des Schmalkaldischen Bundes: der Altmarkt von Schmalkalden mit dem Rathaus als Versammlungsort der protestantischen Stände (ganz links) und der Stadtkirche St. Georg – Quelle: A. Savin/Wikimedia, Lizenz: FAL

Der Schmalkaldische Bund

Die Kleinstadt Schmalkalden liegt am südwestlichen Hang des Thüringer Waldes und ist historisch Interessierten vorwiegend durch den Schmalkaldischen Bund bekannt, der im 16. Jahrhundert deutsche und europäische Geschichte schrieb. Verkürzt gesprochen, handelte es sich dabei um ein defensiv ausgerichtetes Militärbündnis protestantischer Reichsstände aus Landesfürsten und Städten gegen Kaiser Karl V. Führende Persönlichkeiten der Allianz waren der Kurfürst von Sachsen, Johann Friedrich von Sachsen, und der Landgraf Philipp von Hessen, die als Bundeshauptleute eingesetzt wurden. Offiziell wurde der Vertrag am 27. Februar 1531 im Rathaus von Schmalkalden unterzeichnet.

Schmalkaldischer Bundestaler von 1546
Schmalkaldischer Bundestaler von 1546 mit Johann Friedrich von Sachsenu und dem Landgrafen Philipp von Hessen

Zunächst nur auf sechs Jahre angelegt, wurde der Schmalkaldische Bund immer wieder verlängert und erhielt auch eine Verfassung, die den Beistand der Bündnispartner regelte. Er diente der Verteidigung des evangelischen Glaubens und der politischen Rechte gegen die katholische Religionspolitik des habsburgischen Kaisers. In den Religionskonflikten wurde der Bund dadurch zum wichtigen Verhandlungspartner auf europäischer Ebene. Trotz politischer, diplomatischer und militärischer Erfolge geriet das Bündnis in den 1540er Jahren aufgrund innerer Konflikte in eine Krise. Im Schmalkaldischen Krieg 1546 und 1547 konnte der Kaiser die protestantische Koalition schlagen, den Protestantismus im Reich aber nicht mehr beseitigen. Die Machtverhältnisse zwischen den Konfessionen und den ihnen anhängenden Ständen wurden schließlich 1555 im Augsburger Religionsfrieden geregelt.

Vertrag Schmalkaldischer Bund 1536
Vertrag über den Schmalkaldischen Bund aus dem Jahre 1536

Das Renaissanceschloss Wilhelmsburg

Historischer Überblick

Vor diesem Hintergrund kann man anerkennen, dass die kleine thüringische Stadt Schmalkalden einen zentralen Platz bei der Ausbreitung des Protestantismus in Europa innehat. Über der pittoresken Altstadt mit reichem Fachwerkbestand thront das Schloss Wilhelmsburg. Hinter der Vierflügelanlage verbirgt sich einer der bedeutendsten Spätrenaissancebauten in Deutschland. Landgraf Wilhelm IV. von Hessen ließ den Komplex Ende des 16. Jahrhunderts anstelle einer mittelalterlichen Burg erbauen und machte ihn zu einer Nebenresidenz. Entsprechend demonstriert die Raumanordnung die Funktion eines repräsentativen Residenzschlosses. Zu den weitläufigen Außenanlagen gehören Exerzierplatz, Torwächterhaus, Lustgarten, Küchengarten, Gefängnisturm (Kristallturm), Marstall sowie Back- und Brauhaus. Besondere Beachtung verdient der zu Beginn des 17. Jahrhunderts am Südhang des Schlossbergs entstandene Terrassengarten.

Schmalkalden - Schloss Wilhelmsburg
Südflügel des Schlosses Wilhelmsburg mit Terrassengarten – im Hintergund die Altstadt von Schmalkalden

Das weiß geputzte Äußere des Bauwerks mit einfacher roter Eckquaderung lässt dabei nur bedingt erahnen, welche kostbare Raumausstattung das Schlossinnere birgt. Den Besucher erwartet nach Durchschreiten des Innenhofs ein nahezu original erhaltenes Interieur. Die manieristischen Wandmalereien sowie Stuck- und Bildhauerarbeiten weisen eine außergewöhnliche Fülle und künstlerische Qualität auf. Gekrönt wird das Ensemble von der Schlosskirche, einer der vollkommensten Raumschöpfungen einer frühen protestantischen Kirche.

Die Säle des Obergeschosses

Die Räumlichkeiten des Obergeschosses dienen in Teilen Ausstellungszwecken. Eine ausgewogene Mischung aus Exponaten und informativen Tafeln führt in Themenfelder wie höfische Kultur, Schlossbau und Gartenkunst des 16. Jahrhunderts ein. Auch wird die Baugeschichte des Schlosses Wilhelmsburg ausführlich in allen seinen Facetten dargestellt.

Das Schloss ist ein Gesamtkunstwerk. Dennoch stechen einige Räume durch Dekoration und architektonische Ausgestaltung wie der Riesensaal, der Weiße Saal oder das Tafelgemach heraus. Geprägt werden die Räume durch zeittypische Renaissanceornamentik des späten 16. Jahrhunderts, die sich von der niederländischen Kunst eines Cornelis Floris oder Hans Vredeman de Vries ableiten lässt. An zahlreichen Flächen wird ein opulentes Dekor aus Roll- und Beschlagwerk eingesetzt – sei es gemalt, aus Stuck oder aus Naturstein. Insbesondere die Malereien an Portalen und Fensternischen hinterlassen mit ihrer illusionistischen Architektur einen bleibenden Eindruck, die die repräsentativen Ansprüche eines frühneuzeitlichen Landesherren widerspiegeln.

Die Schlosskirche als protestantischer Kirchenraum

Ähnliche Qualitäten zeigt die 1590 geweihte Schlosskirche mit ihrer Dekoration. Beschlagwerk und Rollwerk sind auch hier die prägenden Bausteine des ornamentalen Programms. Hinzu tritt die exzellente Raumwirkung, die dieses Musterbeispiel protestantischen Kirchenbaus erzeugt. Kennzeichnend dafür sind die umlaufenden doppelgeschossigen Emporen und die in einer vertikalen Achse an der Schmalseite angeordneten Elemente von Altar mit Taufbecken, Kanzel und Orgel, die von einer veränderten Liturgie gegenüber der katholischen Messe zeugen. Im lutherischen Gottesdienst kam dem gesprochenen Wort und somit der Positionierung der Kanzel in Hinblick auf die Gemeinde eine besondere Bedeutung zu.

Schmalkalden - Schloss Wilhelmsburg - Schlosskirche
Schlosskirche Schmalkalden, Foto: Stiftung Thüringischer Schlösser und Gärten, Constantin Beyer

Der Typ des rechteckigen Emporensaals im Schlosskirchenbau nahm übrigens seinen Anfang in der 1544 geweihten Schlosskirche in Torgau, wobei die Kanzel dort noch an der Längsseite anzutreffen ist. Torgau und Schmalkalden sind gemeinsam mit der Schlosskirche des Schlosses in Augustusburg als bedeutendste Vertreter und Vorbilder des frühen reformatorischen Kirchenbaus in Mitteldeutschland zu benennen.

Ausstellung zum Schmalkaldischen Bund

Es empfiehlt sich, für den Besuch von Schloss und Museum ausreichend Zeit einzuplanen, denn die Räume bergen seit 2017 eine äußerst sehenswerte und informative Dauerausstellung zur Geschichte des Schmalkaldischen Bundes. Diese Koalition markiert den Beginn der Kirchenspaltung in Europa. Unter seinen Mitgliedern waren Städte wie Fürstentümer, alle für die Belange der Reformation kämpfend. Sie waren – so lehrt es uns die Geschichte – letztlich erfolgreich, auch wenn dem Bund nach seiner Gründung im Jahre 1531 in Schmalkalden bis zu seiner Auflösung 1547 nur wenige Jahre Existenz beschieden waren.

Die Ausstellung im Untergeschoss des Schlosses setzt diese schicksalhaften Jahre des konfessionellen Zeitalters in Deutschland vorzüglich in Szene. Nicht nur, dass zahlreiche Exponate als Leihgaben ein bemerkenswert lebendiges Bild jener Epoche nachzeichnen, man versteht es auch, die städtische Geschichte Schmalkaldens in diesen Kontext einzubinden. Die Lichtführung, die Raumgestaltung, die Medienstationen und die kreativen Kulissen tragen zu einer bemerkenswert authentischen Atmosphäre in den Ausstellungsräumen bei, die zu einem rundum gelungenen Vermittlungskonzept beiträgt.

Vorbildlich ist vor allem die mediale Aufarbeitung des Themas. Eigens für die jüngsten Besucher sind Medienstationen vorhanden, die durch kleine Videoclips die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich zu ziehen wissen. Nimmt man die Reaktionen der bei unserem Besuch anwesenden Kinder als Maßstab, scheint dies auch gut zu gelingen. Das übrige Publikum wird auf großformatigen Bildschirmen an mehreren Stationen von Herzogin Elisabeth von Rochlitz, dem einzigen weiblichen Mitglied des Schmalkaldischen Bundes, durch die vielfältigen Wendungen in der Geschichte des Bündnisses begleitet. Dadurch erhalten die Geschehnisse eine sehr persönliche und nahbare Note, die die vergangenen 500 Jahre Geschichte mühelos überwindet. Wir sehen hier Storytelling vom Feinsten!

Film zur Ausstellung "Schmalkaldischer Bund - Beginn der Kirchenspaltung in Europa"

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